Trotz geschmälerten Etats geht das Video- und Filmfestival „Blicke
aus dem Ruhrgebiet“ in die 13. Runde und das ist gut so. Bietet doch das
Programm (40 Filme aus 191 Einreichungen) eine Plattform für Arbeiten aus
und über die Region.
Wenn dann am Eröffnungstag ein kleines Juwel wie „Pur si simplu“
von Antje Grez läuft, hat sich der Weg ins Kino Endstation schon gelohnt.
Eine 75-minütige Dokumentation aus Rumänien. Vier ehemalige Heimkinder
porträtiert der Film. Und wo einem zu rumänischen Kinderhorten die
schockierenden Bilder einer „Stern“-Reportage aus den 80ern einfallen,
zeigt Antje Grez, dass man dort auch ohne Trauma aus dem Heim kommen kann: Vier
aufgeweckte Burschen lernen wir kennen. Früher galten sie als schwer erziehbar,
heute gehen sie ihren Weg und meistern das Leben. So schwer das auch sein mag.
Fern jeder Schönfärberei zeigt „Pur si simplu“ dass Rumänien
nicht zwangsläufig das Land der Depression ist.
Hoffnungsträger wie Dan, George oder Rupi beißen sich durch. Rupi
etwa ist ein Roma, den die Mutter ins Heim geben musste. Selbstmitleid ist ihm
fremd. Er hat Kunst studiert, ist Maler und Musiker. Und er hat den Ehrgeiz,
davon existieren zu wollen. Wenn man sieht, wie ärmlich diese Habenichtse
leben und doch den Kopf nicht in den Sand stecken, leuchtet das Wort vom „deutschen
Gejammer auf hohem Niveau“ erst richtig ein. – Ein tief sympathisches
Bild von Land und Leuten. Clever psychologisierend in der Montage. Und der Kameramann
Sebastian Sinterhauf (FH Dortmund) stellt Nähe her, ohne aufdringlich zu
sein.[...]
K.U.Brinkmann
www.blicke.org
Das Regiedebüt der 30-jährigen Antje Grez dokumentiert auf tatsächlich
‚simple‘, aber eindrückliche Weise Alltag und Geschichte von
vier jungen Rumänen, 35 km hinter der EU-Außengrenze. Ionica versucht
das Erbe seines Vaters – ein buckliges, fast eingestürztes Häuschen
– zu reparieren. Daneben arbeitet er hart für etwa 65 € im Monat
an einer Holzschneidemaschine. In einem Café zeichnet Rupi ein paar Bilder
und philosophiert über Kunst und Zukunftsvisionen. Den Wunsch, Musik oder
Malerei zu studieren, konnte er finanziell leider nie umsetzen. Die Freunde
Dan und George wollen ins Ausland, am liebsten nach Italien. Bis dahin versuchen
sie das Beste aus ihrem Alltag zu machen. Sie backen Pizza, stellen die Musik
lauter und versuchen auf dem Dach ihres Neubaublocks, eine Party zu feiern.
Was die Jugendlichen verbindet, ist ihre gemeinsame Vergangenheit in einem rumänischen
Kinderheim. Aus der Perspektive des heute schwer schuftenden Ionica scheint
es nur natürlich, wenn er sagt: „Es war eine schöne Zeit damals.“
Eine Erklärung ganz außerhalb der üblichen Klischees, die in
Deutschland über rumänische Heimzustände kursieren. Und doch
behauptet der Filmtitel leichthin: „So ist es eben.“ Eine überraschend
optimistische und fröhliche Dokumentation über die Fähigkeit,
glücklich zu sein. / Franziska Winkler
D/Rumänien 2004, OmU, 75 Min. Regie: Antje Grez, Kinostart: 18.8.