Das einzige, was Ionica
geerbt hat, ist ein schiefes, baufälliges
Häuschen in einem Dorf bei Sintana - immerhin für ihn ein sicheres
Dach über dem Kopf. Sein Leben ist alles andere als einfach. Neben den
Bauarbeiten am Haus arbeitet er an der Holzschneidemaschine in einer Möbelfabrik
und verdient dort 65 Euro im Monat. Geld, das vorne und hinten nicht reicht.
Zudem macht ihm sein Rücken Probleme. Umso erstaunlicher, mit welcher
Ruhe er sagt: "Schritt für Schritt. Vielleicht wird es ja auch mal
besser. Gott hat die Welt auch nicht an einem Tag erschaffen."
Rupi
hätte gerne Musik oder Malerei studiert - aber
bei dem Wunsch ist es geblieben. Er konnte das Studium nicht finanzieren.
Dass er so einiges drauf hat, zeigt er unter anderem während einer Probe
mit seiner Band "Visatori" (die Träumer). Auch die Band hat
es nicht weit gebracht. Das Träumen aber hat er sich bewahrt. Als er
siebzehn Jahre alt war, ist er losgezogen, um seine Familie zu suchen. Jetzt
lebt er bei seiner Mutter in einem Romaviertel am Stadtrand von Arad.
Außerdem sind da noch George
und
Dan
,
unzertrennliche Freunde seit sie dreizehn Jahre alt sind. Sie hören gerne
lauten Hiphop und laufen auf den Dächern im Arader Neubaugebiet Micalaca
herum, wo George zusammen mit seinem jüngeren Bruder Niki wohnt. Dan
will nach Italien gehen, um dort zu arbeiten. Seine beiden Schwestern sind
bereits dort. Aber er glaubt nicht, dass es im Westen viel einfacher sein
wird: "Die italienische Botschaft empfängt dich nicht mit offenen
Armen und sagt: 'Willkommen, wir haben Arbeit für Sie.' Und dann bekommst
du vielleicht noch 5000 Euro Begrüßungsgeld! - Nee!"
Die vier Jungs sind Anfang Zwanzig. Was sie verbindet, ist ihre gemeinsame Vergangenheit in einem rumänischen Kinderheim. Diese Zeit hat sie geprägt. Und auch heute noch begegnen sie Vorurteilen gegenüber Heimkindern. Dennoch sind ihre Erzählungen anders als das, was man üblicherweise an Geschichten aus Rumänien erwartet. Erfrischend in ihren Lebensansichten und mit einer großen Portion Optimismus ausgestattet, gehen sie durchs Leben.